URWALD erhält UN-Auszeichnung
Das saarländische Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ erhält die Auszeichnung als offizielles „UN-Dekade-Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung“. 2002 rief die UNESCO bei ihrem Weltgipfel in Johannesburg für 2005 2014 die „UN-Dekade Bil-dung für nachhaltige Entwicklung“ aus. Ziel der weltweiten Kampagne der für Bildung zuständigen UN-Organisation ist es, den Menschen Kompetenzen und Wissen zu vermitteln, damit sie ihr Leben nachhaltig gestalten können. „Wir sehen uns damit in unserem vielfältigen Bildungsangebot und unserer Schwerpunktsetzung auf das Urwaldprojekt bestätigt“, freut sich der NABU-Landesvorsitzender Ulrich Heintz.
„In unserem Antrag an das deutsche National-Komitee haben wir den Schwerpunkt auf das Projekt Urwald macht Schule gelegt, denn damit erreichen wir Kinder und Jugendliche auf eine einzigartig intensive und damit nachhaltige Art und Weise“, so der NABU-Chef. Auch die Grundidee „Jeder Fußgänger darf jederzeit an jeden Ort des Urwaldes laufen“ und damit eine besondere Integration von Mensch und Natur sowie die vielfältig-innovativen Ideen und Aktionen mit Künstlern werden damit von der UN gewürdigt.
Urwald macht Schule das sind Veranstaltungen meist mit Übernachtung im WildnisCamp oder der Scheune Neuhaus als Basislager. Schüler lernen im Rahmen altersgerechter wildnispädagogischer Aktivitäten Grundlagen zur Rolle des Menschen in der Natur, zu den Folgen menschlichen Handelns für die Natur und für die Menschen selbst und zum Verständnis natürlicher Abläufe. „Lust auf Natur„ und nachhaltige Erinnerungen stehen im Vordergrund, die Vermittlung von Wissen und Verständnis für Natur, die Rolle des Menschen darin und die Folgen dessen erfolgen „scheinbar nebenher“, tatsächlich aber nachhaltiger als im klassischen Unterricht.
Ziele des Projektes sind die Förderung einer vorausschauenden Denkweise und das Erlernen einer nachhaltigen Lebensweise innerhalb einer Gruppengemeinschaft im Wildnisgebiet, die auf das Alltagsleben in unserer Gesellschaft übertragbar sind. Des Weiteren soll die Wildnisphilosophie kommuniziert, die ambivalenten Gefühle gegenüber Wildnis in eine positive Richtung gelenkt und das Urwaldprojekt nachhaltig, besonders bei der regionalen Bevölkerung, etabliert werden.
Das Projekt Urwald vor den Toren der Stadt besteht seit 1997. Auf 1003 ha im Steinbachtal und Netzbachtal unmittelbar vor Saarbrücken schweigen die Motorsägen, soll Nutzung sich auf Erholung und Forschung beschränken, darf Natur wieder Natur sein. Umgefallene Bäume, ausgewaschene Wege, Baummoose, farbenprächtige Pilze, Blüten und bizarre Flechten überwuchern die Zeichen der Zivilisation. Bäume sterben ab, viele Wege wachsen zu. So soll in den nächsten 200 Jahren wieder ein echter Urwald entstehen. Der Urwald integriert dabei den Menschen und schließt ihn nicht aus, denn Schutzziel ist auch, den Urwald als unmittelbaren Ort der Naturerfahrung erlebbar zu machen.
Kaum ein anderes Umweltprojekt erfordert einen solch langen Schutz. 200 Jahre bedeuten, dass die „werdende Wildnis“ über viele Generationen hinweg entwickelt und geschützt werden muss. Dies bedarf eines besonders nachhaltigen Ansatzes. Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen. Entsprechend sind sie auch die allererste Zielgruppe des Urwaldprojekts. So entwickelten der Schauspieler und Regisseur Thomas Engelhardt und der Urwald-Ranger Karl Hermann Urwald-Erlebnistage für Schüler und andere Gruppen. Im Rahmen der Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wurde in den Jahren 2005 und 2006 das Angebot für Schulen und andere Urwaldbesucher unter Mitwirkung von Annemarie Schmidt, Karl Hermann und Thomas Engelhardt zur Wildnispädagogik weiter entwickelt.
Deutschland richtete im Mai 2004 das deutsche Nationalkomitee zur konkreten Verwirklichung der Ziele der Dekade ein. Vorsitzender ist Prof. Dr. Gerhard de Haan. Neben dem Ökologischen Schullandheim in Gersheim wird somit das Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ zum zweiten Leuchtturmprojekt in der Bildung des Saarlandes. Dr. Markus Rösler, Geschäftsführer des NABU Saarland, und Peter Schneider, Teamleiter Urwald, haben als Vertreter des Urwaldprojektes die Auszeichnung entgegengenommen, die von Professor Gerhard de Haan, in seiner Funktion Vorsitzender des deutschen Nationalkomitees, am 28. Juni 2006 in Hildesheim verliehen wurde.
Das Projekt URWALD vor den Toren der Stadt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ministerium für Umwelt des Saarlandes, NABU Saarland und SaarForst Landesbetrieb. Die Veranstaltungen werden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) über den NABU als Bestandteil einer innovativen Kommunikation des Projektes gefördert.
Für Rückfragen:
Dr. Markus Rösler, Handy: 01 71 / 5 82 78 44
Peter Schneider, Handy: 01 75 / 2 20 08 06
|