URWALD vor den Toren der Stadt

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Das Urwald-Projekt

1995 startete der NABU bundesweit eine Kampagne zur Einrichtung großflächiger Waldschutzgebiete. Im Saarland zeigten diese Bemühungen Erfolg. Sie mündeten in dem Projekt "Urwald vor den Toren der Stadt", einem 1.011 ha großen Waldschutzgebiet, das vor den Toren der Landeshauptstadt Saarbrücken liegt. Es ist eingebettet in den 4.400 ha großen Saarkohlenwald. Dieser ist Teil der Waldachse, des grünen Rückgrats des Verdichtungsraums Saar. Das Projekt besitzt damit eine besondere stadtregionale Dimension – eine bundesweit einmalige Verknüpfung von künftigem Wildnisgebiet, Wald- und Stadtlandschaft, von potenziellem Urwald und Großstadt. Am 5. Mai 2002 unterzeichneten das Ministerium für Umwelt, NABU Saarland und SaarForst Landesbetrieb einen Partnerschaftsvertrag (Link) zum Urwaldprojekt. Im Rahmen dieser starken Partnerschaft sollen tragfähige Organisationsstrukturen und ein innovatives Kommunikationskonzept für das Urwaldprojekt auf den Weg gebracht werden. In einer Machbarkeitsstudie (Link) wurde das Projekt zur Vorbereitung eines Projektantrages bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt konkretisiert.





Ziele des Projektes

Eine, vielleicht die wichtigste Aufgabe des Projektes wird es deshalb sein, die Wildnis aus ihrer ökologischen und naturschutzfachlichen Dimension heraus zu heben und durch die Verzahnungen der unterschiedlichsten neuen Aktivitäten sowie innovative Kommunikationsmuster den Urwald vor den Toren der Stadt zu einem kulturellen Ereignis von gesellschaftlicher Relevanz werden zu lassen. Dazu ist es unerlässlich, die ökologischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Funktionen des Projektes miteinander zu verbinden. Wildnis wird nicht nur Gegenstand, sondern der andere Ort und die andere Methode interdisziplinärer Kommunikation. Die Lage des Projektes in der Stadtlandschaft bietet synergetische Möglichkeiten, die weit über die Summe der einzelnen Funktionen hinausgehen.

Der Mensch wird als Teil der Natur begriffen und in die Entwicklung des Gebietes aktiv einbezogen. Das Projekt verfolgt den ambitionierten Anspruch, den Menschen Natur und Wildnis (wieder) näher zu bringen und generationenübergreifendes Denken zu fördern. Dies gelingt am einfachsten, wenn Menschen an der Entwicklung teilhaben und „Spuren“ hinterlassen können. Die Einbindung der Bevölkerung soll die Identifikation mit dem Urwald vor den Toren der Stadt und auch der ganzen Region verbessern – als notwendige Bedingung für die Bereitschaft, sich aktiv einzusetzen. Die Partizipation muss dabei auf konkreter und dauerhaft sichtbarer Ebene erfolgen.

Partnerschaftsvertrag

Von links Stefan Mörsdorf, Minister für Umwelt; Ulrich Heintz, NABU Saarland und Michael Klein, SaarForst Landesbetrieb, unterzeichnen in der Scheune Neuhaus den Partnerschaftsvertrag.

Im Rahmen des Urwaldfestes haben am Abend des 4. Mai 2002 die Projektpartner, vertreten durch den Umweltminister Stefan Mörsdorf, den NABU-Vorsitzenden Ulrich Heintz und Michael Klein von SaarForst vertreten, eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet. In diesem Vertrag werden im wesentlichen die Ziele des Projektes und die Art und Weise der Zusammenarbeit geregelt und festgeschrieben.


... zum Partnerschaftsvertrag






URWALD erhält UN-Auszeichnung

Das saarländische Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ erhält die Auszeichnung als offizielles „UN-Dekade-Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung“. 2002 rief die UNESCO bei ihrem Weltgipfel in Johannesburg für 2005 – 2014 die „UN-Dekade Bil-dung für nachhaltige Entwicklung“ aus. Ziel der weltweiten Kampagne der für Bildung zuständigen UN-Organisation ist es, den Menschen Kompetenzen und Wissen zu vermitteln, damit sie ihr Leben nachhaltig gestalten können. „Wir sehen uns damit in unserem vielfältigen Bildungsangebot und unserer Schwerpunktsetzung auf das Ur-waldprojekt bestätigt“, freut sich der NABU-Landesvorsitzender Ulrich Heintz.




Machbarkeitsstudie

Anfang 2001 reichte der NABU mit seinen Projektpartnern MfU und SaarForst bei der DBU eine erste Projektskizze „Urwald vor den Toren Stadt“ ein. Im Januar 2002 schlug die DBU die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für ein innovatives Kommunikationskonzept vor. Nach kurzfristig erstelltem Antrag zur Machbarkeitsstudie und schneller Bewilligung durch die DBU bis April 2002 erarbeiteten die Projektpartner bis Januar 2003 die Machbarkeitsstudie unter Beteiligung zahlreicher auch ausländischer externer Experten unterschiedlicher Fach-Disziplinen.

Chronologie des Schutzgebietes "Urwald vor den Toren der Stadt"

  • 1995 - 1997
    Bundesweite Kampagne „Lebendiger Wald“ des NABU (Naturschutzbund Deutschland) zur Schaffung von Nationalparken sowie mittelgroßer dezentraler Waldschutzgebiete – den Urwäldern von morgen.
    Der NABU-Saarland macht sich für die konkrete Umsetzung eines mittelgroßen Waldschutzgebietes im „URWALD vor den Toren der Stadt“ bei Saarbrücken stark.
  • 1995
    Anne Caspari schreibt eine Diplomarbeit zum Thema „Konzept zur Planung großflächiger Wald-Reservate, diskutiert am Beispiel des Saarlandes“. Nach Untersuchung von fünf großen Waldgebieten im Saarland ist der Saarkohlenwald Favorit zur Einrichtung eines Wildnisgebietes.
  • 1997
    NABU und Umweltministerium vereinbaren die Ausweisung des oberen Steinbachtals mit 375 ha als Naturschutzgebiet (NSG). Das Gebiet wird als NSG und Naturwaldzelle ausgewiesen und von Umweltminister Prof. Willy Leonhardt und NABU-Vorsitzendem Stefan Mörsdorf eröffnet.
  • 2001 - 2004
    Gemeinsame intensive konzeptionelle Vorarbeiten von Ministerium für Umwelt (MfU), NABU Saarland und SaarForst Landesbetrieb (SFL) für ein von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt „Innovative Kommunikation“ inkl. einer DBU-Machbarkeitsstudie für 60 000 €. Konsens ist: Jeder Fußgänger darf zu jedem Zeitpunkt an jeden Ort im Urwald.
  • 2002
    Das „Steinbachtal / Netzbachtal“ wird von Umweltminister Stefan Mörsdorf mit 1011 Hektar Fläche als NSG und Naturwaldzelle ausgewiesen. MfU, NABU Saarland und SFL unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung für das Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ und gründen für die Steuerung die paritätisch besetzte Urwald-Lenkungsgruppe. Der NABU richtet die Internetseite www.Saar-Urwald.de ein.
  • 2003
    SFL schafft durch Umstrukturierungen ein eigenes „Urwaldrevier“, das den Grenzen des Urwald-Projektes entspricht. Das Urwaldrevier ist das einzige Revier im Saarland, das im Rahmen der SaarForst-Reform von 2005 bestehen bleibt. Die jagdlichen Einrichtungen im Gebiet – unter anderem über 40 Hochsitze – werden abgebaut.
  • 2004
    Der Antrag des NABU Saarland und seiner Kooperationspartner MfU und SFL auf finanzielle Förderung des Urwald- Projektes in Höhe von 499 800 € wird von der DBU bewilligt. Mit Geldern der EU und des Landes im Rahmen des „Regionalpark Saar“ wird das Wildniscamp gebaut. „Urwald macht Schule“ Schulklassen und Jugendgruppen „Urwald macht Schule“ statt.
  • 2005
    Die Urwald-Werkstätten „Gemeinsam Erleben“ und „Gemeinsam Gestalten“ beginnen mit ihrer Arbeit. Insbesondere Künstler tragen dazu bei, dass Menschen aller Art den Urwald aktiv erleben. Es gibt neue „Urwaldpfade“, die nicht unterhalten werden, sondern der „Abstimmung mit den Füßen“. Die Friedwald GmbH und SFL eröffnen im Urwald einen Friedwald.
  • 2006
    Das Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ erhält die Anerkennung als UN-Dekade-Projekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das neue abgestufte Wegekonzept mit urwaldkonformer Beschilderung wird realisiert. Das erste Urwald-Wildnisforum „Vision Wildnis“ findet statt. Der „Wolfsgarten“ wird als neuer Dienstsitz für das Urwald-Projekt bezogen.
  • 2007
    Bundespräsident Horst Köhler besucht den „Urwald vor den Toren der Stadt“.