URWALD macht Schule

„Urwald macht Schule“ sind zwei- bis viertägige Veranstaltungen mit Übernachtung im Urwaldrevier, in der Scheune Neuhaus und dem WildnisCamp als Basislager. Das Ökosystem Wald, seine Entwicklung zum „wilden Urwald“ und der ganzheitliche Mensch stehen im Vordergrund.

Schwerpunkte

Für jüngere Kinder (Vorschulkinder bis 9-Jährige) wird ein eher spielerischer Zugang mit einfachen Orientierungshilfen und Wahrnehmungsschulung angestrebt. Für 10- bis 13-Jährige liegt der Schwerpunkt auf forschendem Zugang mit grundlegenden Überlebenstechniken und Begreifen des Ökosystems Wald. Bei den ältesten Schülern werden Gemeinschaftserleben, umfassendere Überlebenstechniken und praktische Naturschutzaktionen betont. Natürlich lassen sich diese Zuordnungen nicht streng trennen, sondern sollen altersspezifische Schwerpunkte darstellen. Ökologische, soziale und ökonomische Erkenntnisse und Erfahrungen sind stets im Spiel.

Die Schüler arbeiten unter fachkundiger Anleitung an den Themen „Biologische Vielfalt“ sowie „nachhaltiger Umgang mit sich selbst und der Mitwelt“. Sie lernen, ihre Sinne zu schärfen und mit der Natur vertraut zu werden, die intensiv und konzentriert wahrgenommen wird. Handwerkliche (Überlebens-)Techniken werden erlernt und angewandt.

Eingebettet in das WildnisCamp sind Abenteuer und Spaß ein wichtiger Faktor. Die Teilnehmer müssen ihre Bleibe herrichten und sich Gedanken über die Zubereitung ihrer Verpflegung machen: Wie können wir ohne Feuerzeug Feuer machen und am Brennen halten, ist eine bedeutsame Frage, und eine Nacht im WildnisCamp wird sicherlich gänsehautschaurig schön werden.

Die Klassen werden von der SaarBahn-Haltestelle Heinrichshaus abgeholt. Fachkundige Betreuerinnen und Betreuer begleiten und betreuen die Gruppe. „Urwald macht Schule“ wird außerhalb der Ferienzeiten in den Monaten April bis Oktober jeweils montags bis donnerstags angeboten.

Am Beispiel des Projekts „Urwald macht Schule“ ist besonders gut zu erläutern, wie die unterschiedlichen BNE-Kompetenzen vermittelt werden. Die Schulklassen werden für ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung sensibilisiert.

Vorausschauend denken und handeln: Die Entscheidung, wo, wie und mit welchem Material eine Laubhütte gebaut wird, die nachts vor Kälte und Feuchtigkeit schützt, aber wieder abgebaut werden muss, ohne Spuren zu hinterlassen, stellt Schulklassen vor die Aufgabe, sich in eine Situation in der Zukunft zu versetzen. Dadurch wird erreicht, dass Schülerinnen und Schüler vorausschauendes Denken und Handeln erlernen.

Gemeinsam mit anderen planen und handeln können: Spielerisch ermöglicht „Urwald macht Schule“ Schulklassen eine neue Gruppendynamik für die Klasse zu entwickeln. Aktiv gestalten die Schulklassen, ihr Programm im Urwald und müssen als Gruppe gemeinsam Entscheidungen über die Ausgestaltung der Camp-Tage treffen. Auch verschiedene Aufgabenstellungen, die der Urwaldalltag mit sich bringt, bedürfen der gemeinsamen Lösung, aber auch einer guten Planung.

Selbstständig planen und handeln können: Für viele Kinder ist es ungewohnt, Zeit zu haben. Der Alltag der Kinder ist durch Termine wie Schule, sportliche und musische Aktivitäten geprägt. Während der Tage im Urwald werden den Kindern Zeitfenster eingeräumt, in denen keine Aktivitäten geplant sind. Die Kinder lernen einerseits ihre eigene Zeit zu planen und andererseits, diese nach ihren eigenen Bedürfnissen auszufüllen. Dieser Freiraum eröffnet den Teilnehmern die Möglichkeit, sich selber besser kennen zu lernen, Prioritäten zu setzen und verantwortungsvoll mit der eigenen Zeit umzugehen.

An Entscheidungsprozessen partizipieren können: Neben Planung und Durchführung von Aktionen während „Urwald macht Schule“ ist es für die Schülerinnen und Schüler wichtig, auch Entscheidungen zu treffen. So muss bei alternativen Problemlösungsvorschlägen gemeinsam überlegt und entschieden werden, welche Alternative durchgeführt wird. Durch partizipative Moderationsmethoden werden alle Klassenmitglieder aktiv in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Andere und sich selbst motivieren, aktiv zu werden: In dieses Kompetenzset, welches durch die gruppendynamischen Prozesse ausgelöst wird, ist auch die eigene und die Fremdaktivierung sowie Motivationsfähigkeit wichtig. Von besonders großer Bedeutung ist auch das Bewusstsein für Verantwortung für die Gruppe und sich selbst. Spielerisch erlernen die Schulklassen, diese zu tragen und zu teilen. Beispielsweise bekommt die Gruppe drei Versuche, um mit Feuersteinen Feuer zu machen, um abends eine warme Mahlzeit zu erhalten. Die Gruppe entscheidet, wer die Verantwortung für die drei Versuche übernimmt.

Empathie und Solidarität für Benachteiligte, Arme, Schwache und Unterdrückte zeigen können: Während des Camp-Aufenthaltes verändert sich die Klassenstruktur dadurch, dass nicht nur kognitive Kompetenzen gefragt sind. Häufig können sich Kinder mit schulischen Defiziten neu in die Klassengemeinschaft einbringen. So werden ihre soziale Anerkennung in der Schulklasse, aber auch ihr eigenes Selbstvertrauen gesteigert. Diese Wertschätzung anderer trotz ihrer Schwächen trägt zur Förderung einer gemeinschaftsorientierten Sozialkompetenz bei.

Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können: Zur Vermittlung dieser Kompetenzen eignet sich das „Coyote Teaching“. Diese Methode orientiert sich an der traditionellen Unterrichtsweise nordamerikanischer Naturvölker, welche sich in deren traditionellem Lebensalltag entwickelt hat. Beobachtbare Effekte des „Coyote Teaching“ sind die Entstehung von Neugierde, wo zuvor keine war, erhöhte Gegenwartspräsenz und Hunger nach Wissen, der uns eigene Fragen stellen und Antworten finden lässt. „Coyote Teaching“ führt zu Lernen durch eigene Erfahrung mit all unseren Sinnen. Das selbst erarbeitete Wissen prägt sich stärker und nachhaltiger ein und führt damit, eher als viele andere Maßnahmen der klassischen Ökopädagogik, zu einer Nachhaltigkeit des Erlernens, aber auch des sich daraus ableitenden Verhaltens.

Das saarländische Wildnispädagogik-Projekt „Urwald vor den Toren der Stadt“ erhielt bereits zweimal die Auszeichnung als offizielles „UN-Dekade-Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

 

Nähere Informationen, Terminabsprachen und Buchungen:

  • Naturschutzbund (NABU) Saarland e.V., Günther v. Bünau
  • Antoniusstraße 18, 66822 Lebach-Niedersaubach
  • Tel: 06881/9361915
  • Fax: 06881/9361911
  • E-Mail: Guenther.Buenau@NABU-Saar.de

 

Ablauf einer halbtägigen „Urwald macht Schule“ Veranstaltung

 

Die folgende Beschreibung gilt vorbehaltlich etwaiger Absprachen mit dem Urwald-Team und situationsbedingten, individuellen Änderungen durch unsere Betreuer. Der Tages- und Programmablauf wird durch unser erfahrenes Betreuungsteam auf die jeweilige Gruppe zugeschnitten.

Ablauf:

  • Anreise gegen 09.00 Uhr (13.00 Uhr, 15.30 Uhr), wahlweise an der Saarbahnhaltestelle Heinrichshaus (Von der Heydt) oder am Forsthaus Neuhaus
    Empfang durch einen Mitarbeiter des Urwaldteams; cirka 1,5 - 2 Stunden geführte Wanderung über Urwaldpfade; mit Urwalderlebniselementen unterwegs
  • Ankunft ca. 11.00 Uhr (- 15.00 Uhr, ca. 17.30 Uhr)
  • Warmes Mittagessen/Abendessen/Grillen (aus kontrolliert biologischem Anbau)
  • Das Mitbringen von eigenen/m Getränke/Essen und Süßigkeiten ist i.d.R. nicht erwünscht
  • Wildnispädagogisches Programm (z.B.: Urwalderlebnisse, Sinnesschulung, Leben in/mit der Natur)
  • (Ggf. eigenständige) Rückwanderung zum Ausgangspunkt nach ca. 4 Stunden
  • Oder abends gemütliches Beisammensein bis in die Dämmerung



Ablauf einer zweitägigen Veranstaltung mit Übernachtung in der Scheune Neuhaus bzw. im WildnisCamp

Die folgende Beschreibung gilt vorbehaltlich etwaiger Absprachen mit dem Urwald-Team und situationsbedingten, individuellen Änderungen durch unsere Betreuer.

Der Tages- und Programmablauf wird durch unser erfahrenes Betreuungsteam auf die jeweilige Gruppe zugeschnitten.


Ablauf:

  • Anreise gegen 09.00 Uhr (- 09.30 Uhr) an der Saarbahnhaltestelle Heinrichshaus (Von der Heydt); Empfang durch 1 - 2 Mitarbeiter des Urwaldteams; Abgabe der Reiserucksäcke zum Transport nach Forsthaus Neuhaus (Scheune oder WildnisCamp); cirka 3 Stunden geführte Wanderung über den Urwaldpfad von Heinrichshaus nach Neuhaus; - unterwegs erste Einführung in die Urwaldthematik
  • Ankunft ca. 12.00 Uhr (-12.30 Uhr); Einrichten des Lagers in der Scheune Neuhaus oder im WildnisCamp
  • Warmes Mittagessen (aus kontrolliert biologischem Anbau)
    Tee und Wasser, sowie Obst als „Snack“ zwischendurch stehen kostenfrei bereit.
    Das Mitbringen von eigenen/m Getränke/Essen und Süßigkeiten ist nicht erwünscht
  • Wildnispädagogisches Programm (z.B.: handwerkliche Aktivitäten, Sinnesschulung, Leben in/mit der Natur) mittags
    Ausreichend Zeit zur freien Verfügung ist über den Tag verteilt eingeplant.
  • Warme Abendmahlzeit (meist ausgiebig vom Grill und aus kontrolliert biologischem Anbau)
  • Nachtwanderung und/oder Abend am Lagerfeuer zum Ausklang des Tages
  • Frühstück (aus kontrolliert biologischem Anbau)
  • Wildnispädagogisches Programm (s.o.) vormittags
  • Warmes Mittagessen (aus kontrolliert biologischem Anbau)
  • Wildnispädagogisches Programm (s.o.) nachmittags
  • Abschlussrunde zum Ende der Urwalderlebnistage, ggf. mit besinnlichen Inhalten
  • Rückwanderung zur Saarbahnhaltestelle Heinrichshaus ab ca. 15.00 Uhr (Dauer ca. 1 Std.)



Mitbring-Liste für "Urwald macht Schule"

Bitte mitbringen:

  • Schlafsack + Unterlage
  • Waschzeug (biolog. abbaubar) + Handtuch
  • robuste Kleidung (auch zum Wechseln bei Nässe)
  • Regenkleidung
  • festes Schuhwerk
  • Mütze
  • Blechtasse
  • Wasserflasche
  • Schnitzmesser

  • und N e u g i e r


Bitte nicht mitbringen:

  • elektrische Geräte (z.B.: Handy, Taschenlampe, elektr. Zahnbürste, usw.)
  • Süßigkeiten
  • Eigene Getränke

  • und s c h l e c h t e L a u n e