30 Jahre "Naturnahe Waldwirtschaft im Saarland"

Die Beziehung Wald – Mensch

Die menschliche Existenz war seit jeher eng mit dem Wald verbunden und diese Geschichte war wechselvoll. Der Mensch lebte im Wald und vom Wald. Nach und nach wurden die Menschen sesshaft, betrieben Landwirtschaft und der Wald verschwand dadurch kontinuierlich. Drei Rodungsperioden im Hochmittelalter ließen den Wald um nahezu zwei Drittel seiner ursprünglichen Fläche schrumpfen. Der heutige Anteil an Wald und seine Verteilung besteht zum überwiegenden Teil in dieser Form seit Ende des 14. Jahrhunderts. In Unkenntnis wurde der Wald vielerorts übernutzt, die Verwüstung ganzer Landstriche war die Folge.

1713 veröffentlichte von Carlowitz sein Buch: „Sylvicultura Oeconomica“. Vor dem Hintergrund fortschreitenden Raubbaus am Wald forderte er, „dass nicht mehr Holz eingeschlagen werden dürfe, wie nachwächst“. Die forstliche Nachhaltigkeit war geboren. Im 19. Jahrhundert entstanden zwei unterschiedliche Waldbau-­Modelle,  mit denen Nachhaltigkeit umgesetzt werden sollte. Die einen verfolgten das Konzept des Altersklassenwaldes, der flächig im Kahlschlagbetrieb bewirtschaftet wurde.
Die anderen entwickelten das Konzept des Dauerwaldes, was eine einzelstamm­weise kahlschlagsfreie Nutzung vorsieht. Der öffentliche Wald wurde noch bis in die 1990er Jahre überwiegend nach dem Altersklassenwald­-Modell bewirtschaftet.

Als erstes Bundesland vollzog das Saarland 1988 einen Paradigmenwechsel. Der damalige Minister Hajo Hoffmann verfügte die „Einführung einer weitgehend kahl­ schlagfreien Waldbewirtschaftung im öffentlichen Waldbesitz des Saarlandes.“

Dieses war der erste Schritt zu einer „Festlegung eines Konzeptes zur naturnahen Waldwirtschaft im öffentlichen Waldbesitz des Saarlandes, mit dem Ziel, die Waldökologie im stärkeren Maße zu berücksichtigen. Weiterhin wurde verfügt“:

  • Die Notwendigkeit der flächenhaften Zäunung der zur Hauung heranstehenden Endnutzungsbestände wegen Wildverbiss
  • Das Verbot des flächenhaften Chemieeinsatzes zur Wuchsraum­konkurrenzregulierung
  • Das Verbot des flächenhaften Befahrens von Waldbeständen
  • Die entsprechende Fortbildung für alle Forstbeamten, Forstwirtschaftsmeister und Waldarbeiter

Heute ist der 1988 eingeleitete Prozess der naturnahen Waldwirtschaft eindrucks­voll im saarländischen Wald in Form von multifunktionalen, vielschichtigen, standortheimischen Dauerwäldern sichtbar, die Ökologie, Ökonomie und Soziales ideal miteinander verbinden. Der beschriebene Waldumbau hin zum naturnahen Dauer­wald wird konsequent fortgeführt.

Der Klimawandel fordert eine Ausrichtung hin zum Aufbau klimastabiler Wälder. Wärmeliebende Baumarten spielen dabei eine wichtige Rolle. Künftig werden Funktionen, wie

  • der dauerhafte Erhalt von Wäldern und deren Böden als CO2­-Speicher auf hohem Niveau,
  • die verstärkte Bereitstellung und Verwendung von Holz in langlebigen Produkten, wegen der CO2-­Speicherung,
  • die Substitution von energieintensiven Materialien durch Holz eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung spielen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.umwelt.saarland.de,  www.saarforst.de