Neues Wald-Informationszentrum im Urwald

Das Zentrum für Wildnis und Waldkultur im Herzen des Urwaldes wird nun zum 20-jährigen Bestehen durch ein neues Informationszentrum ergänzt, das Urwald-Gäste auf einen der wertvollsten Lebensräume in Deutschland aufmerksam macht: den Buchenwald. Ein Kommunikationsgebäude im Innenhof des Forsthauses sowie drei Informationspavillons und ein Waldklassenzimmer im angrenzenden Wald werben für den Erhalt und Schutz dieses wertvollen Ökosystems und insbesondere die biologische Vielfalt des Lebensraumes Alt- und Totholz. Hierzu wurden von der Hochschule der Bildenden Künste Saar multimediale Ausstellungsinhalte entwickelt, um mit allen Sinnen in die Welt der Waldbewohner einzutauchen. Auch die Gebäude selbst sind aus architektonischer Sicht spannend, denn bei den auf den ersten Blick futuristisch anmutenden Konstruktionen aus Holz sowie Bio-Composite handelt es sich um bionische Bauwerke, deren Formsprache unmittelbar aus der Natur stammt. Die Gebäude wurden von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saar im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt und sind weltweit einmalig.

„Uns als Naturschutzverband war es wichtig, neben ansprechenden Ausstellungselementen bereits durch die Architektur des Zentrums das Interesse der Besucherinnen und Besucher für den Lebensraum Wald zu wecken. Deshalb leitet sich u.a. die Form der Infopavillons auch von vergrößerten Holzzellen ab und die Faltkonstruktion des Kommunikationsgebäudes ähnelt einer Käferlarve“, so Helmut Harth, der das Projekt „Wertvoller Wald“ für den NABU leitet, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert wird. Beim Bau des neuen Wald-Informationszentrums kamen zudem neuartige Baustoffe zum Einsatz, wie beispielsweise Flachs- und Basalt-Fasern, womit praxisnah gezeigt wird, dass nachwachsende Rohstoffe in Zukunft eine wichtige Rolle im Bauwesen spielen könnten.

„Ermöglicht wurde die Umsetzung dieses Bauprojektes durch die öffentlichen Fördergeldgeber Bundesamt für Naturschutz mit 75 Prozent und Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 15 Prozent, aber auch durch Eigenmittel des NABU sowie durch Spenden engagierter regionaler Unternehmen wie SaarToto, Peter Gross Bau, VSE Gruppe, Möbel Martin, IKEA Saarlouis und Sandgrube Schwartz“, bedankt sich der NABU-Landesvorsitzende Ulrich Heintz. Die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer, freut sich, dass mit diesem Waldzentrum des NABU das Forsthaus Neuhaus und das Urwaldprojekt auch fachlich abgerundet und der Standort langfristig gestärkt wird. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel, betont: „Mit der Eröffnung des neuen Informationszentrums feiern wir einen Meilenstein im Projekt ‚Wertvoller Wald‘. Es war seinerzeit das erste Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt überhaupt, das sich Alt- und Totholzbeständen gewidmet hat. Heute trägt es Früchte und zeigt, dass sich Naturschutzaspekte sehr wohl flächendeckend in die Waldbewirtschaftung integrieren lassen.“

Hintergrund:

Das Projekt „Wertvoller Wald durch Alt- und Totholz“ wird seit 2013 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom NABU Landesverband Saarland als Projektträger umgesetzt. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf rund 2,1 Mio. Euro, von denen rund 1,5 Mio. Euro durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert werden. Ziel des Projektes ist es in Zusammenarbeit mit dem SaarForst Landesbetrieb, Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten sowie mehreren privaten und kommunalen Forstbetrieben neue Strategien und Managementkonzepte zu erarbeiten, um den bislang weitgehend unbeachteten, jedoch besonders vielfältigen und artenreichen Lebensraum Alt- und Totholz in die bestehende Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche zu integrieren. Die neuen modellhaften Konzepte sollen später auch in der bundesweiten Waldbewirtschaftung als Praxisleitfaden anwendbar sein.

 

Der „Urwald vor den Toren der Stadt“ als Teil des Saarkohlewaldes im Ballungsraum der Landeshauptstadt Saarbrücken darf sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Urwald von morgen entwickeln. Das Urwaldprojekt ist mehr als ein Naturschutzvorhaben, bei dem eine große Waldfläche aus der Nutzung genommen wird, denn seit 1997 organisieren das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der SaarForst Landesbetrieb und der NABU Saarland gemeinsam ein abwechslungsreiches Kultur- und Wildnispädagogik-Programm am Forsthaus Neuhaus, dem Zentrum für Wildnis und Waldkultur. Der NABU ermöglicht Kindern und Jugendlichen sowie Schulklassen gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen und dabei viel über den Wald vor der eigenen Haustür und über sich selbst zu lernen. Darüber hinaus engagieren sich die Mitglieder der NABU-Arbeitsgemeinschaft „Netzwerk Urwald“ ehrenamtlich bei vielen Urwald-Veranstaltungen wie z.B. den alljährlichen Jahreszeitenfesten am Forsthaus Neuhaus. Naturbegeisterte Besucherinnen und Besucher haben seit vergangenem Jahr die Möglichkeit, gleich auf zwei Premiumwanderwegen das bundesweit einzige Waldwildnisgebiet am Rande einer Großstadt mit Bahnanschluss zu erkunden, das sich auf über 1.000 Hektar des Landeswaldes erstreckt.