Suchtprävention und Soziale Arbeit mit der Natur

Interregionale Fortbildung 2016/2017
für MitarbeiterInnen in sozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern

Begeisterung für das Leben draußen

Wildnispädagogik ist ein ideales Instrument, um die soziale und präventive Arbeit (beispielsweise mit belasteten Familien und deren Kindern) zu erweitern. Die heilsame (und kostenlose!) Ressource Natur in achtsamer Weise zu erschließen, gibt Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen die Möglichkeit, Resilienzen neu auszubilden und zu verstärken.

Die Kraft der Gemeinschaft in Wildniscamps, die gemeinsam das Leben draußen bewältigt, fördert Selbstwert, den Glauben an Selbstwirksamkeit, Konfliktfähigkeit und gibt Geborgenheit.
Die Begleitung durch Erwachsene, die sich ihrer Rolle als solche bewusst sind, gibt Orientierung und lässt Raum für angemessenes Kind-Sein, wovon in besonderem Maße Kinder aus suchtbelasteten Familien profitieren können. Suchtpräventive Ressourcen werden auf ideale Weise im Sinne der Gesundheitsförderung und Lebenskompetenzförderung entwickelt und unterstützt. Das Wildniscamp kann für viele auch ein spannender suchtmittelfreier Erfahrungsraum sein, da hier weder Alkohol noch Drogen akzeptiert werden und per se ein medienfreier Raum geboten wird.

Ansatzpunkte des Konzepts

Die Anforderungen des Lebens in der Natur sind nicht einem künstlichen Erfahrungsfeld entsprungen, sondern ergeben sich aus den Notwendigkeiten des (Über-)lebens. Dabei hat jeder und jede seinen/ihren Platz, an dem er/sie Fähigkeiten einbringen kann, die sonst verschüttet sind oder nicht geachtet werden. Scham oder Isolation, wie sie z.B. Kinder aus suchtbelasteten Familien kennen, spielen erfahrungsgemäß in der Wildnisgruppe eine geringere Rolle. Wir bieten mit unserem Konzept kein extremes Überlebenstraining, sondern einen Erfahrungsraum in einfachen natürlichen Zusammenhängen, aus dem jeder als Gewinner hervorgeht.

Auf der Grundlage der Wildnispädagogik werden die TeilnehmerInnen befähigt, diese Inhalte angepasst auf das jeweilige Arbeitsfeld mit Familien, Kindern oder Jugendlichen übertragen zu können. Sei es in einem Wildniscamp oder auch in einer fortlaufenden Gruppenarbeit übers Jahr oder einzelnen Tagen draußen im Wald.
Ein wesentlicher Bestandteil der Fortbildung wird aber die Verbindung von Wildnispädagogik mit der sozialpädagogischen und (sucht-)präventiven Arbeit sein. Alle Erfahrungen und Kenntnisse, die die Gruppe im Wildniscamp erwirbt, werden reflektiert, an welcher Stelle der Arbeit mit Klienten sie stehen, wo sie unterstützend wirken und wie sie eingesetzt werden können.
Und nicht zuletzt: die eigenen Erfahrungen während der Fortbildung sollen Begeisterung für das Leben im Wald wecken und befähigen, diese weiterzugeben, und so einem schwierigen Arbeitsfeld wieder neue Impulse zu geben.

Daten der Fortbildung

Dauer:
Der Fortbildungslehrgang findet in der Nähe von Saarbrücken statt und umfasst 2 Module à 3 Tage (Fr – So) und 2 Module à 4 Tage (Do - So). Die Auswahl und Reihenfolge der Themen kann sich aufgrund des Wetters und gruppeninterner Prozesse etwas verändern. Beginn des Lehrgangs: 01.09.2016. Ende: 21.05.2017.
Unterbringung, Ausrüstung und Zertifikat:
Der gesamte Lehrgang findet grundsätzlich unter den authentischen Bedingungen des Wildniscamps statt – also in freier Natur und im Verlauf der Jahreszeiten mit überwiegender Selbstverpflegung und gemeinschaftlichem Kochen. Weitere Details und eine genaue Ausrüstungsliste bekommen die LehrgangsteilnehmerInnen rechtzeitig vor dem Lehrgangsstart zugeschickt. Im Camp lebt die Gruppe generell alkoholfrei. Die TeilnehmerInnen, die an den 4 Modulen teilgenommen und die zusätzlichen Praxis- und Theorieeinheiten absolviert haben, erhalten nach der Fortbildung das Zertifikat.
Preise und Anmeldung:
Die Teilnahmegebühr für den gesamten Lehrgang (4 Module) beträgt 150,00 €. Der Lehrgang kann nur als ganzer belegt werden und die Teilnahme ist nach schriftlicher Anmeldung mit dem beigefügten Formular möglich.
Leitungsteam:
Jürgen Linnenberger, AWO Sozialraumbüro Saarbrücken-West; Kontakt: 0681 7094723
Stefanie Mohra, Drogenhilfe Saarbrücken gGmbH, Saarbrücken; Kontakt: 0681 9854115
Roland Carius, CePT - Centre de Prévention des Toxicomanies, Luxembourg; Kontakt: +352-497777-1
Veranstalter:
AWO Landesverband Saarland e.V. Sozialpädagogisches Netzwerk (SPN)
Kooperationspartner der Fortbildung sind die Drogenhilfe Saarbrücken gGmbH, das Centre de Prévention des Toxicomanies (CePT) Luxembourg im Rahmen der interregionalen Zusammenarbeit der MONDORFER GRUPPE, der NABU Landesverband Saarland, der Saar Forst und das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes.

Termine und Themen der Module

Modul 1: Einführung in das Basiswissen

  • Einführung in den thematischen Kontext: Verknüpfung von Lebenskompetenztraining, Sucht-prävention und Wildnispädagogik
  • Orientierungshilfe für den Verlauf der Ausbildung
  • Erlebnis der Stille; die äußere Natur als Spiegel der inneren
  • Naturhandwerk wie Feuer machen, Herstellen von Gebrauchsgegenständen
  • Kochen mit Gruppen
  • Bauen einer Schutzbehausung
  • Wahrnehmungsübungen, Gruppen- und Schleichspiele
  • Reflexion und Anwendbarkeit der Inhalte für Prävention und soziale Arbeit
  • Wildniscamp als suchtmittelfreier Erfahrungsraum

Beginn: 01.09.2016, 15:00 Uhr
Ende: 04.09.2016, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Netzbachhütte Urwald vor den Toren der Stadt (Saarbrücken)


Modul 2: Bäume und eine etwas andere Art des Lernens

  • Das Wesen der Bäume, Bäume als Mentoren
  • Coyote Teaching und die Kunst des Fragens
  • Ökologische Wahrnehmung
  • Spiele zur Einfühlung in andere Lebewesen
  • Annäherung an das Wesen der Bäume
  • Reflexion und Anwendbarkeit der Inhalte für Prävention und soziale Arbeit

Beginn: 21.10.2016, 15:00 Uhr
Ende: 23.10.2016, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Netzbachhütte Urwald vor den Toren der Stadt (Saarbrücken)

 

Modul 3: Säugetiere und die Kunst des Spurenlesens

  • Lebensstrategien von Beutegreifern und Pflanzenessern
  • Umherstreifen auf den Fährten wilder Tiere und Spurenerkennung
  • Die Spurenarten der verschiedenen Tierfamilien
  • Wurfholz und Jagdethik
  • Gemeinschaft am Feuer - Trommeln
  • Reflexion und Anwendbarkeit der Inhalte für Prävention und soziale Arbeit

Beginn: 10.02.2017, 15:00 Uhr
Ende: 12.02.2017, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Wildniscamp Urwald vor den Toren der Stadt (Saarbrücken)


Modul 4: Pflanzen und das Leben in der Wildnis, Vögel und die Sprache der Natur

  • Das Wesen der Pflanzen; Bestimmen, Sammeln und Zubereiten von essbaren Wildpflanzen
  • Lebensweise von Vögeln, die fünf Rufarten der Vögel und Alarmsysteme im Wald
  • Rechtliche Grundlagen für die Arbeit mit Gruppen
  • Präsentation und Feier geübter Fähigkeiten
  • Gesamtreflexion, Evaluation und Transfair in Konzepte der Jugendhilfe usw.
  • Feiern ohne Suchtmittel, Gestaltung eines Abschlussfestes

Beginn: 18.05.2017, 15:00 Uhr
Ende: 21.05.2017, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Wildniscamp Urwald vor den Toren der Stadt (Saarbrücken)